Patrick Rothfuss und Yrsa Sigurdardottir

Am 3.7. 2015 gab es ein paar ganz liebe Menschen, die an mich gedacht haben…..habe einen wunderbaren Gutschein erhalten für eine lokale Buchhandlung. Dort habe ich drei Bücher bekommen.
1.) Die Musik der Stille von Patrick Rothfuss. Und das obwohl ich kein Fantasy lese. Ein fantastisches Buch!
2.) „Feuernacht“ von Yrsa Sigurdardottir
3.) „Seelen im Eis“ von Yrsa Sigurdardottir
Zwei Bücher mit der Warnung: nichts für schwache Nerven!

Die Musik der Stille“ von Patrick Rothfuss erschien 2015 bei Klett- Coda. Das Original erschien 2014 unter dem Titel „The Slow Regard of Silent Things“ im Verlag DAW, New York.
Das Buch ist sicher gut zu verstehen, wenn man  „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“ gelesen hat. Der Autor empfiehlt das. Ich selbst habe diese Bücher nicht gelesen. Trotzdem habe ich das Buch gut verstanden. Mehr dazu im Fazit.
In dem Buch geht es um Auri, die in Temerant wohnt (einer anderen Welt). Genauer gesagt wohnt sie unterhalb der Universität von Imre und möchte von niemandem gesehen werden. Ihr einziger „Begleiter“ ist Foxen, ein Wesen, das Licht verbreitet, auf das sie jeden Morgen mit einer Pipette einen Tropfen von einer Flüssigkeit macht.
Das Buch beschreibt sechs Tage des Wartens, an denen Auri auf „ihn“ wartet, vermutlich auf Kvothe. Es beschreibt ihre Umgebung: Räume, die ihr vertraut sind, aber auch Räume, die sie noch nicht kennt und neu entdeckt. Sie macht sich wiederholt Gedanken darüber, was sie ihm schenken kann.
Eines Tages ist eine Leitung defekt und von Auri repariert- eine Sache, die ihr sehr zu schaffen macht. In diesem Abschnitt wird deutlich, was für eine Angst sie hat, das jemand sie entdeckt bzw in ihrer Welt etwas verändert.
An einem anderen Tag ist sie draußen, sammelt Eicheln und Lorbeerfrüchte auf einem Friedhof. Sie wagt sich auf einen Bauernhof? Wird sie dort entdeckt?
Sie wartet weiter, bereitet vor und als alles fertig ist hört sie eine Melodie…
Ein wunderschön geschriebenes Buch. Ein Buch, in das man sich hineinlesen muss. Dann aber verschlingt man es und kann nicht mehr loslassen.
Ein Buch mit nur einer handelnden Person. Der Leser wird mit hineingenommen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Ihre Angst, ihre Verwirrung, ihre Freude, alles ist auf eine ganz besondere Art beschrieben.
Mir gefällt Auri, da sie eine ganz besondere Person ist. Sie macht sich Gedanken darüber, was sie „ihm“ schenken kann. Sie produziert vieles noch selber, was heutzutage gekauft wird. Sie ist nicht habgierig, sondern findet sich mit dem nötigsten ab.

Lieblingssatz: „Sie war vom wahren Weg abgekommen. Zunächst einmal brachte man sich selbst in Ordnung. Dann  das eigene Haus. Dann den eigenen Winkel der Welt. Und erst dann…“

Fazit: ein Buch, das ich nicht mehr hergebe. Jemand, der so schreiben kann, der ist wirklich kreativ. Jemand, der so schreiben kann, der kann wirklich schreiben!


„Feuernacht“ von Yrsa Sigurdardottir erschien 2011 im Fischer Taschenbuch Verlag. Das Original erschien bereits 2009 in Reykjavik.

Die Handlung findet in Island statt. In Reykjavik und Umgebung. Hauptsächlich findet das Geschehen statt im Jahr 2010.
Zwei Unterschiedliche Handlungen: Ein Haus, indem es spukt, seitdem die Babysitterin überfahren wurde. Von wem ist nicht geklärt.
Und ein Behindertenheim. Abgebrannt. Verurteilt: Jakob, ein Junge mit Down Syndrom. Ein psychisch gestörter Mann, der sein ganzes finanzielles Erbe dafür ausgeben will, damit Jakob freigesprochen wird. Anwältin Dora beginnt zu ermitteln. Sie erhält seltsame SMS. Findet heraus, dass es außer Jakob noch eine Überlebende gibt, allerdings mit Locked In Syndrom.
Von wem kommen die SMS? Und wie hat der eine Fall mit dem anderen was zu tun?

Thema: Behinderung, Machtmissbrauch in Heimen

Es ist ein brisantes Thema, dem sich die Autorin gestellt hat. Sehr gut verpackt.
Zum Anfang: Gruselig……
Zum Ende: hält noch eine extra Überraschung bereit….
Und dazwischen: Die Spannung reisst einfach nicht ab. Man fiebert mit, man denkt mit. Hat Lösungen parat, die man wieder verwirft. Es bleibt einfach spannend, und das bis zum letzten Augenblick! Hochdramatisch!

Fazit: man braucht starke Nerven. Zeit.
Gelungenes Buch für alle, die mal Nervenkitzel brauchen.


„Seelen im Eis“ von Yrsa Sigurdardottir erschien 2013 als Fischer Taschenbuch. 2012 erschien das Original in Reykjavik.

Der Thriller spielt in Reykjavik zur gegenwärtigen Zeit und in Krokur, einem Erziehungsheim für schwererziehbare Jugendliche (Januar bis März 1974).

Odinns Leben verändert sich. Seine Ex Frau stirbt, seine Tochter Run kommt zu ihm und er nimmt eine neue Arbeitsstelle an. An der Arbeitsstelle übernimmt er das Projekt einer verstorbenen Kollegin. Dieses Projekt beinhaltet, einen Bericht anzufertigen bezüglich Krokur. Kam es dort zur Anwendung von Gewalt? Kam es zu bleibenden Schäden? Besteht ein Anrecht aus Entschädigung?
Wird Odinn der Belastung gewachsen sein? Er selbst und seine Tochter trauern. Dazu eine verantwortungsvolle Aufgabe….
Und was passierte damals in Krokur? Aldis (ein Mädchen) arbeitet dort. Sie kommt dahinter, das Briefe und Süßigkeiten nicht weitergeleitet werden. Heimlich gelangt sie an die Briefe. Jeder der Briefe ist geöffnet, wurde also vom Heimleiterehepaar gelesen. Sie lernt dort Einar kennen , einen Jugendlichen, der schon etwas zu alt für Krokur ist. Sie wird schwanger von ihm. Und verlässt Krokur. Wenn Aldis 1974 noch jung war….dann lebt sie noch. Kennt sie Odinn womöglich?????

Thema: Trauer. Der unterschiedliche Umgang mit Trauer, sowohl bei Odinn las auch Run. Bei der Heimleiterin und bei Ardis. Aus Trauer kann Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit entstehen. Aber auch Wut.

Das Buch ist spannend geschrieben. Dadurch, das ein Ausschnitt des Endes an den Anfang gestellt wird, wird man ein wenig irregeführt.
Das Ende selbst gefällt mir persönlich nicht ganz. Ich denke, die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Run sind nicht gut.
Das Buch ist lebendig geschrieben, ich habe es tatsächlich an einem Tag durchgelesen.
Ich hätte gerne mehr gewusst über die Heimleiterin. Man erfährt nur von ihrem „Unglück“ , wie sie sich verhält und wie sie später ist. Doch- war sie vielleicht schon immer ein hässlicher Mensch? Oder kam das wirklich durch dies Ereignis?
Schade, dass immer wieder Gegner von Kinderpsychologen auftauchen. Missfällt mir.

Fazit: Geisterfjord hat mir besser gefallen. Das Buch ist zwar gut, aber ich habe mir etwas mehr Nervenkitzel erhofft.

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3 Kommentare zu „Patrick Rothfuss und Yrsa Sigurdardottir

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