Blogger schenken Lesefreude #2

Heute ist der Welttag des Buches. Bei der Aktion Blogger schenken Lesefreude soll es darum gehen, Lesefreude zu „verschenken“. Mir kam dazu heute ein Impuls. Ich möchte jedem, der heute bei mir vorbeischaut, zwei Gedichte schenken und einen kurzen Text. Alle drei Texte sind von mir verfasst.

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Ich beginne mit dem Gedicht „Die Veränderung“.

Die Veränderung
Ich fühle mich wie
eine Knospe am Kirschbaum,
die, nach langem Zögern,
sich schließlich öffnet,
sich der Sonne zuwendet,
ihre Blütenblätter entfaltet,
endlich ihre Schönheit
nach außen hin zeigt…
Doch dunkle, schwarze Gewitterwolken
haben die Sonne nun bedeckt,
haben den Himmel für sich eingenommen.
Finsternis ist überall.
Die Blütenblätter
schließen sich.
Das Gewitter ist nun
vorbei. Doch
die Blätter der Knospe sind
noch geschlossen.
Für immer?

(Quelle: Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes, Ausgewählte Werke 5, Realis Verlags GmbH 2002) Das Gedicht entstand zu einer Zeit, als wir moderne Gedichte im Unterricht durchnahmen. Es entstand als eine Reaktion auf ein „Ereignis“ in meinem Leben.
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Nun folgt eine kleine Geschichte. Sie gehört zu meinen Schreibtischschubladengeschichten. Und, da ich sie in der Schülerzeitung der TMS, der „Ente“, abdrucken ließ, meine einzige erhaltene Schreibtischschubladengeschichte.

Über den kleinen Sperling.
Der Himmel war voll grauer Regenwolken. Ein stürmischer Herbstwind blies durch den Wald. Die Bäume verloren ihre letzten Blätter. Das Laub auf dem Boden raschelte. Alles war ganz ruhig.
Er blieb stehen und blickte sich um. Ganz alleine stand er da- ohne Freunde. So war es ja immer, niemand nahm sich für ihn Zeit. Niemand hatte die gleichen Interessen wie er, alle wollten immer nur Spaß haben. Doch er war anders. Natürlich kam es auch mal vor, dass er fröhlich und ausgelassen war, doch im Moment liebte er einsame Spaziergänge in Wäldern über alles. Er wäre auch gerne mit einem Freund zusammen spazieren gegangen. Aber er kannte niemanden, dem Spaziergänge im Wald gefielen. Jedenfalls hatte ihm es noch nie jemand gesagt.
Ein leichter Nieselregen schreckte ihn aus ihrer Versunkenheit auf. Er liebte den Regen. Er ging weiter,  dachte an zu Hause. Regentropfen fielen in die Pfützen, die sich auf dem Waldpfad gebildet hatten. Er blickte nach oben. Die Wolken sahen dunkel und bedrohlich aus. Hier war er den Gewalten der Natur schutzlos ausgeliefert.
Langsam wanderte sein Blick über den Himmel. In der Ferne sah er etwas Schwarzes. Es näherte sich ihm. Was mochte es wohl sein? Er blickte genauer hin.
Da sah er , dass es Vögel waren, ein ganzer Vogelschwarm. Sie flogen in den warmen Süden, da sie vor der Kälte des bald kommenden Winters fliehen wollten.
Der kleine Sperling fühlte die Leichtigkeit seines Körpers, erhob die Schwingen und flog in die Luft, hoch hinauf zu seinen Freunden, den Vögeln.

(Quelle: Ente, Herbst 1999, Ausgabe: unbekannt)
Ursprünglich habe ich den Text ohne Überschrift verfasst. Ich wollte des Leser absichtlich verwirren. Er sollte denken, es ginge um einen Menschen. Er sollte erst am Ende des Textes erfahren, dass es um einen Vogel geht.
1999 hatte ich im Originaltext das Wort „Elster“ verwendet. Meine aktuelle Internetrecherche ergab, dass die Elster kein Zugvögel ist. Daher nun die Bezeichnung „Sperling“. Ansonsten habe ich einige kleine stilistische Korrekturen vorgenommen.
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Zum Abschluß ein Gedicht
Zerbrechlichkeit
zarte Kinderengelsflügel
voller Lebenslust und Flugfreude
vom Tau des Morgens benetzt
in freudiger Erwartung
auf Leben das LEBEN heißt

von harter Menschenhand
zerbrochen
ein Schwert
unerwartet
durch Körpermitte
Schmerz
von nicht ertragbarer
STÄRKE
bisher war Glaube und Welt
vereinbar

Dies ist die Erstveröffentlichung von „Zerbrechlichkeit“.
Geschrieben wurde es am 14.5. 2007
zu einem Zeitpunkt, an dem es mir nicht gut ging

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